Es folgt ein Auszug (Nachwort) aus der aktuellen Auflage des Eltern-Ratgebers “Zauberhafte Babyhände”.

 

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Das Thema Babyzeichensprache bzw. Gebärden unterstützte Kommunikation mit hörenden Kindern findet zunehmend mehr begeisterte Eltern und mittlerweile auch Erzieher, Tageseltern und Kitas.

Leider gibt es aber auch – meist aus Unkenntnis – abwertende Meinungen, teilweise sogar aus Kreisen anerkannter Fachleute. Wir haben uns mit diversen kritischen Äußerungen und Meinungen auseinandergesetzt und fühlen uns in dieser neuen Auflage dazu ermutigt, auf verbreitete Vorurteile ausführlicher einzugehen als bisher.

Als erstes Beispiel eine wiederholt überwiegend aus Reihen der Eltern vernommene Frage: „Kurse in Babyzeichensprache? Wozu soll das denn gut sein? Ich verstehe mein Kind doch auch so.“ Betrachten wir diese Fragen als ernst gemeinte Fragen, die beantwortet werden wollen, wird meist schon nicht mehr zugehört. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass die Fragesteller oft gar keine Antwort haben wollen, sondern mit der Frage nur mal schnell pauschal etwas abwerten wollen, möglicherweise um sich selbst aufzuwerten. Eine sachliche Auseinandersetzung ist in solchen Fällen selten möglich. Dennoch nehmen wir die Fragen ernst und haben sie daher in einem eigenen Kapitel zu Nutzen und Vorzügen von Gebärden ausführlich und hoffentlich zufriedenstellend beantwortet.

Dann existiert noch eine geringe Zahl an Pädagogen, fachfremden Ärzten und Wissenschaftlern, die sich in Büchern und einminütigen TV-Reportagen abwertend über Babyzeichensprache äußern, darunter leider auch von uns sehr angesehene Autoren wie Gerald Hüther und Herbert Renz-Polster. Letzterer schreibt z.B. “Ein anderer Bär, der gerade durch die schönen Vorgärten der westlichen Mittelschichten tapst, will den Säuglingen Zeichensprache beibringen. Die Idee dahinter:

Wenn Babys manchmal frustriert sind und viel weinen, könnte es daran liegen, dass sie sich mangels Sprache noch nicht richtig ausdrücken können! Interessant an diesem Bären ist eigentlich nur die Eleganz, mit der er ein Defizit der Eltern (nämlich ihre heutigen Schwierigkeiten, die nonverbalen Signale des Säuglings intuitiv zu verstehen) zu einem Defizit des Babys macht – das die Eltern dann gleich beheben können, indem sie ihrem dummen Baby einen neuen Kommunikationskanal eröffnen!“ (Renz-Polster 2012, S. 412 f.)

Dieser Absatz in dem ansonsten absolut lesenswerten Buch verwundert. Herr Renz-Polster hat darin, offenbar ohne über die Ideen und Hintergründe zur Babyzeichensprache zu recherchieren, ein Vorurteil scheinbar ungeprüft übernommen. Das hält er nun Eltern vor, die sich für eine bessere, erweiterte Kommunikation mit ihren Kindern interessieren. Damit wird nicht nur eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert, sondern es werden auch noch diejenigen Eltern in ein schlechtes Licht gerückt, die bereits Gebärden nutzen. Wie sind überzeugt, dass Herr Renz-Polster sich nicht oder zumindest nicht ausreichend mit dem Thema befasst haben kann, sonst hätte sein Urteil unseres Erachtens anders ausfallen müssen.

Der von uns wegen seiner Ideen und Erkenntnisse wirklich gern gelesene und zitierte Prof. Dr. Gerald Hüther schreibt über Babyzeichensprache in seinem Buch “Jedes Kind ist hochbegabt“: „Der neuste Schrei ist das Angebot, Kindern die Gebärdensprache beizubringen, bevor sie überhaupt sprechen können. In Zeichen und Signalen sollen sich die Kleinen verständlich machen, damit Mama und Papa verstehen. Sie wollen die Pole Position, damit ihr Kind durchstarten kann.“ (Hüther und Hauser, 2012, S.152) Zusätzlich äußert er auch gern in Interviews seine Haltung über Babyzeichensprache. Wir wollten wissen, worauf seine Ablehnung basiert, denn dazu hat er sich bislang nirgends geäußert, also fragten wir nach und erhielten von seinem Sekretariat folgende Antwort:

[…] weil es einfach nicht zu schaffen ist, sich in jedes Thema tiefer einzuarbeiten. Und dennoch muss es gestattet sein, auch zu solchen Themen eine Position zu beziehen, wo man nicht den vollständigen Überblick über alle Hintergründe, Richtungen und Strömungen hat.“

Wir lesen daraus, dass Herr Prof. Dr. Hüther sich anscheinend mit dem Thema nicht ausreichend befasst hat. Und die „Pole Position“ gehört ausdrücklich nicht zu den Zielen, die wir mit Babyzeichensprache erreichen möchten. Jeder, der einmal unser Buch gelesen hat, einen unserer Kurse besucht oder an einer Weiterbildung teilgenommen hat oder sich einfach nur mit uns über das Thema unterhalten hat, kennt unser tatsächliches Ziel. Wir machen natürlich niemandem zum Vorwurf, wenn er das nicht getan hat, aber dann können Stellungnahmen natürlich nur auf Voreingenommenheit oder falschen bzw. unvollständigen Informationen beruhen.

Warum, so fragen wir uns, urteilen Menschen – selbst Menschen mit einem hohen Maß an Reflektionsbereitschaft und ausgeprägtem intuitiven Verständnis – über eine Sache, ohne sich vorab ausreichend zu informieren? Weil es fremd oder neu ist? Ist es wirklich so, dass der Ansatz, mit Gebärden die Kommunikation zu ergänzen, unnötig ist? Sollte es nicht das Ziel gebildeter, aufgeklärter, studierter und professioneller Pädagogen, Wissenschaftler und Autoren sein, nach profunder Recherche fundiert und sachlich zu berichten? Es ist irritierend, wenn Menschen, die sonst viel Wert auf Haltung, Achtsamkeit und Recherche legen, gerade bei Babyzeichensprache eine Ausnahme machen. Bleibt zu hoffen, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Umdenken stattfindet und ganzheitliche Kommunikation mit Babygebärden allgemein als sinnvolle Maßnahme Anerkennung findet.

Expertenmeinung (Fredrik Vahle) zum Thema Babyzeichensprache

Aktuelle Auflage “Zauberhafte Babyhände”

Was bietet die aktuelle Auflage Neues?