In den USA und England gibt es seit den 90er Jahren Babysigning-Programme und Babykurse für Babyzeichensprache. Dort sind diese Kurse ebenso verbreitet wie hierzulande das bekannte Pekip-Programm, welches sich mit der Motorik und Wahrnehmung von Babys beschäftigt. Dementsprechend kennen und nutzen viele Eltern in Amerika und England Babysigning. Was wir jedoch beobachten können ist, dass Anbieter in Amerika – und leider zunehmend auch in Deutschland – sich der falschen Methoden bedienen, um Gebärden in die Kommunikation mit einzubringen. So werden Gebärden mittels Trainings, DVD-Lernstunden, Vokabeltraining und ähnlich unbrauchbaren Vorgehensweisen vermittelt. Damit ist es zwar möglich, Kindern etwas einzutrichtern. Am natürlichen Bedürfnis sich mitteilen zu wollen, geht dies aber vorbei. Dies liegt vmtl. nicht zuletzt auch daran, dass meist kommerzielle Anbieter ohne ausreichende pädagogische Kenntnisse sich der Sache und der Vermarktung angenommen haben.

Auch in Deutschland ist Kommunikation mittels Gebärden eigentlich nicht neu. Seit jeher nutzen Kinder – insbesondere wenn die Sprachentwicklung eingeschränkt oder verzögert ist – ihre Hände, um sich detaillierter auszudrücken. Die Professorin Etta Wilken prägte den Begriff „Gebärden unterstützte Kommunikation“ (GuK). Sie integrierte Gebärden in die Kommunikation mit behinderten Kindern, meist Kindern mit Downsyndrom. Damit griff sie die natürlichen motorischen Fähigkeiten von Kindern mit eingeschränkten lautsprachlichen Kommunikationsmöglichkeiten auf, um deren Entwicklung zu unterstützen. So gelang es, den Kindern einen Zugang zur Sprache und folglich eine verbesserte Verständigungsmöglichkeit im Alltag zu ermöglichen (vgl. Wilken 2010,  S. 85 ff.). Die teilweise auf dem Gebärdenlexikon von G. Maisch und F.H. Wisch und teilweise auf „Schau doch meine Hände an“ des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe e.V. basierende GuK nach Etta Wilken wird in der Sonderpädagogik erfolgreich eingesetzt.

Der wohl gravierendste Unterschied zwischen dem Konzept „Zauberhafte Babyhände“ und den anderen Babyzeichensprache- oder Gebärden-Anbietern in Deutschland und den USA ist, dass wir dem methodischen Vorgehen, insbesondere einer wertschätzenden pädagogischen Haltung, einen sehr hohen Stellenwert einräumen. So befassen sich Bücher zum Thema Babyzeichensprache mehrheitlich fast ausschließlich mit der Vermittlung von Gebärden oder dem gemeinsamen Spiel mit Gebärden, was aus unserer Sicht bei Weitem nicht ausreicht. Denn nur bei ganzheitlicher Betrachtung und einer wertschätzenden Haltung ist es möglich, maximales Verständnis und optimale Verständigung zu erreichen. Damit wird die Grundlage für eine gleichberechtigte Kommunikation zwischen dem Kind, seinen Bezugspersonen und seiner Umwelt gebildet.

Wir sehen uns als Autoren, Ausbilder und Berater auch gehalten, über Missstände im Umgang mit Gebärden und Babyzeichensprache aber auch in weiteren pädagogischen Grundsätzen aufzuklären. So sollten Gebärden z.B. nicht willkürlich eingesetzt werden und jegliche Dressurmethoden lehnen wir strikt ab. Wir möchten Eltern und Erzieher ermutigen, neue Wege bei Kommunikation und Erziehungsmethoden zu beschreiten. Ein Schritt in die richtige Richtung ist für uns, Kommunikation wertzuschätzen, gewaltfrei zu kommunizieren und sich an dem zu erfreuen, was unsere Kinder uns mitteilen möchten. Auf diesem Weg möchten wir Kinder, Eltern und alle Bezugspersonen unterstützen.