Hast Du Dich schon mal erwischt, wie Du Dein Kind für die Kommunikation mittels Gebärde gelobt oder sogar getadelt hast? Dann lies jetzt einen kleinen Auszug aus meinem Buch “Zauberhafte Babyhände” zum Thema “Lob und Tadel- Sinn und Unsinn von Bewertungen”:

“Kommunikation ist eine Selbstverständlichkeit. Bewerten Sie daher bitte nicht Gebärden Ihres Kindes, weder positiv noch negativ, weder wie Ihr Kind diese umsetzt, noch den Zeitpunkt oder ob es die passende oder eine falsche Gebärde gezeigt hat. Es spricht allerdings nichtsdagegen, wenn Sie sich gemeinsam mit Ihrem Baby über eine gelungene Kommunikation freuen, falls es sich auch gerade daran erfreut. Aber hinterfragen Sie für sich im Stillen: „Freut es sich, weil die Kommunikation gelungen ist, oder weil ich stolz bin, dass es eine Gebärde gut gemacht hat?“ Freut es sich über die gelungene Verständigung, haben Sie alles richtig gemacht. Überdenken Sie gelegentlich Ihre Motivation und Ihr Verhalten in einer Gebärdensituation (s. Teil 3, Bestandsaufnahme).

Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihre grundsätzliche Einstellung zu Bewertungen zu überdenken; nicht unbedingt vollständig zu revidieren aber doch einmal zu überdenken. Wir, damit sind in diesem Fall die Menschen unserer Gesellschaft ganz allgemein gemeint, tendieren dazu, oft Selbstverständlichkeiten leistungsorientiert zu loben. So werden Babys gelobt, wenn sie essen, aufs Töpfchen oder zur Toilette gehen oder sprechen. „Super, dass du soviel gegessen hast.“ „Das hast du aber toll gemacht, dass du Pipi in das Töpfchen gemacht hast.“ Muss das wirklich immer sein? Stellen Sie sich vor, Sie würden für alles, was sie tun und für selbstverständlich erachten, leistungsorientiert gelobt werden! Sie wären höchstwahrscheinlich bei jedem Lob unangenehm berührt. Gehen Sie davon aus, dass es Ihrem Baby genauso geht. Auch für Ihr Baby verstehen sich manche Dinge – insbesondere Grundbedürfnisse – von selbst, wenngleich es sicherlich auch dort noch dazu lernen kann. Sicher, Lob ist wichtig; da, wo es angebracht ist. Wenn Sie aber loben, empfehlen wir, das Feedback nicht auf die Leistung zu fokussieren („Das hast du aber toll gemacht.“), sondern stattdessen auf der persönlichen Beziehungsebene zu kommunizieren („Was du gemacht hast, gefällt mir richtig gut.“).

Bewerten Sie bitte nicht Gebärden Ihres Kindes, weder positiv noch negativ.

Ihr Kind möchte mit Ihnen gemeinsam ganz natürlich Babyzeichen und andere Kommunikationsarten benutzen und sich gemeinsam mit Ihnen an der Kommunikation erfreuen. Es sollte nicht darauf getrimmt werden, Babyzeichen zu nutzen, nur um Lob und positive Zuwendung zu erhalten, denn dann wäre – im Sinne des Kindes – das Ziel verfehlt. Zu diesem Thema empfehlen wir Ihnen gerne weitere Lektüre von Jesper Juul, der sich in seiner Arbeit mit Familien und in seinen Ratgebern der beziehungsorientierten Erziehung widmet.”

Wenn Du Dich dafür entschieden hast, Dein Kind zu loben, empfehle ich Dir den folgenden Titel “Kinder richtig loben” von Nicola Schmidt zu lesen. Dort wird für einfach und klar erklärt, wie ein Lob aussehen kann, ohne das Selbstwertgefühl des Kindes zu untergraben.