In vielen Familien wird der Alltag durch Internet, Fernsehen, Smartphones und Spielekonsolen bestimmt. Echte Kommunikation – gemeinsame Gespräche, aufmerksames Zuhören und sich persönlich mitteilen – geht verloren und wird verlernt. Dabei ist es eigentlich keine neue Erkenntnis, dass wir Menschen sehr kommunikative Wesen sind. Das wird uns spätestens dann wieder bewusst, wenn wir den schnell und stetig wachsenden Markt der so genannten „sozialen Netzwerke“ wie z.B. Facebook betrachten.

Stattdessen wird aber immer öfter eine falsche, virtuelle Form der Kommunikation gelernt. So lernen viele Kinder zwar früh, sich Unterhaltung am Fernsehgerät zu verschaffen oder wie man SMS und E-Mails schreibt und verschickt (aktuell stehen Plattformen wie Facebook, WhatsApp und YouNow besonders hoch im Kurs, und damit man auch beim Spazierengehen mit dem Kinderwagen die virtuelle Welt nicht aus den Augen verliert, werden Smartphone-Halterungen für Kinderwagen angeboten – so lernen manche Babys schon früh, wo Mama ihre Prioritäten setzt) aber zuhause ist oft niemand, der sich mit ihnen zum Essen an den Tisch setzt und bei der gemeinsamen Mahlzeit über die Geschehnisse des Tages spricht, ihnen mittags bei den Hausaufgaben hilft, ihnen aufmerksam zuhört, wenn sie über Interessen, Erlebnisse oder Sorgen berichten wollen. Schon für die ganz Kleinen ab etwa einem Jahr(!) gibt es elektronische Medien, mit denen sie sich selbst beschäftigen können oder sollen, ohne dass es für sie wirklich gut ist. So gibt es spezielle Fernsehsendungen und eigene Fernsehkanäle für Kinder, so genannte Lerncomputer, Smartphones für Kleinkinder, interaktive Spielbücher und leider, leider sogar Babyzeichen-DVDs in USA mittels derer Babys allein vor dem Fernsehgerät Babyzeichen erlernen sollen. Tatsächlich bezeichnen selbst manche Softwarehersteller gelegentlich ihre Produkte als Sprachförderung oder Frühförderung. Einige gehen gar soweit, den passiven Vorgang des Fernsehens als sprachfördernd zu bezeichnen. Aktueller Trend sind Vorlesebücher mit eingebautem Soundmodul: Das Kind muss nur noch lernen, auf einen Knopf zu drücken, und schon wird das Buch mit blecherner Stimme „vorgelesen“. So werden manche Kinder sich selbst überlassen.

Fallen Sie nicht auf die Werbetricks der TV-Anstalten, Softwarehändler und Hardwarevertreiber herein; selbst Fachartikel mancher Medienpädagogen lesen sich stellenweise wie Werbeprospekte. Gute Sprachförderung sieht anders aus, als man Ihnen weiszumachen versucht. Oder möchten Sie, dass Ihr Kind auf diese Weise unterhalten wird? Ohne menschliche Nähe und Wärme, ohne beim Lesen im Arm gehalten zu werden, ohne mit ihm rumzualbern oder an spannenden Stellen mitzufiebern? Sowohl Ihnen als auch Ihrem Kind entgehen wertvolle Momente voller Spaß und Freude, wenn Sie sich nicht die Zeit nehmen, gemeinsam mit ihm die Welt einschließlich der Bücherwelt zu entdecken.

Sogar in manchen professionellen pädagogischen Bereichen sind so genannte Medienpädagogen der Überzeugung, dass der Umgang mit Medien und Medienbildung früh einsetzen soll. So sind unterschiedliche elektronische Medien in manchen Kitas und bei einigen Tageseltern bereits üblich. Als Argument wird gerne angeführt, dass der Umgang mit diesen Medien, insbesondere mobilen Endgeräten, für die Zukunft der Kinder in Kita, Schule und Beruf von Bedeutung sein kann und der bewusste und professionelle Einsatz bereits bestehenden Fehlentwicklungen entgegenwirken kann (vgl. Risch 2014, S. 32 ff.). Das mag sein, allerdings zeigen unsere Erfahrungen, dass Kindern und Jugendlichen die Handhabung von Computern etc. sehr leicht fällt und auch ohne Lern- oder Trainingseinheiten in Kindergärten oder Elternhaus bei Bedarf rasch erlernt wird.

Das Argument, dass die Medien bereits in den Familien und bei den Kindern vorhanden sind und daher den Kindern auch die Möglichkeit gegeben werden muss zu sehen, wie man damit umgehen kann, z.B. indem man diesen Medien reinen „Werkzeugcharakter“ zuspricht und sie zu Dokumentationszwecken und ähnlichem einsetzt, (ebd.) kennen wir natürlich. Es ist ein starkes Argument. Aber bitte: Wir reden von Medien für Kinder in einem Alter von 0 bis 6 Jahren! Möglicherweise ist es eine Haltungs- vielleicht gar eine Art Glaubensfrage. Wir sind der festen Überzeugung, dass Kinder dieser Altersgruppe keinerlei Nutzen aus Computer, Handy, Tablet & Co ziehen können. Entgegen der Meinung einiger Pädagogen und Eltern denken wir, dass es nichts gibt, was diese Art von Medien den Kindern beibringen könnte, was sie nicht auch im wahren Leben lernen könnten, außer den Umgang mit eben diesen Medien. Als notwendiges, sinnvolles Lernumfeld für Babys und Kleinkinder sind sie u.E. ungeeignet. Und so sehen wir uns Erwachsene in einer Vorbildrolle, die wir dadurch erfüllen können, elektronische Medien im Alltag – insbesondere in Anwesenheit von Kindern – so wenig wie möglich zu nutzen. Widmen wir uns doch stattdessen dem Kontakt zu den Kindern und zwar unmittelbar im echten Leben.

Wir möchten niemandem den Spaß an den modernen Medien und Spielzeugen nehmen – auch unsere eigenen Kinder werden davon nicht grundsätzlich ferngehalten – möchten aber nahelegen, dass elektronische Medien und Spielzeuge für die Erziehung der Kinder eine stark untergeordnete Rolle spielen sollen. Ziel und Motivation sollten dabei immer wieder überdacht werden. Denn eine Kommunikation von Mensch zu Mensch und von Angesicht zu Angesicht ist bei Weitem erstrebenswerter als das Lesen von SMS oder E-Mails oder das Erreichen eines Highscores bei einem Computerspiel, selbst wenn es sich um ein vermeintliches Lernspiel mit angeblich pädagogisch wertvollen Inhalten handelt. Entsprechend wichtig ist es, sich früh und umfassend mit den Kindern zu beschäftigen und ihnen auch früh die Möglichkeit zu einer realen – also nicht-virtuellen – Kommunikation zu geben.

Kinder und Eltern sollen Freude an der gemeinsamen Verständigung und Beschäftigung haben. Dies gilt nicht nur für die Babyzeichen, sondern immer. Aus diesem Grund sollen Spiel und Spaß im wahren Leben mit realen Bezugspersonen an erster Stelle stehen. Folglich sollen auch die Babygebärden den Kindern spielerisch im Kontakt mit Bezugspersonen vermittelt werden. Weder Fernsehen, noch Internet, noch Gebärden-App können Ihre Person ersetzen. Elterliche Aufgabe ist es, eine gute Interaktions- und Kommunikationsqualtität mit den Kindern zu schaffen, um die Entwicklung des Kindes positiv zu unterstützen. Auf dieser Grundlage kann im späteren

Kindes- und Erwachsenenalter nicht nur die virtuelle Kommunikation richtig genutzt, sondern auch der Wert echter Kommunikation wertgeschätzt werden.

Achten Sie doch einmal selbstkritisch darauf, wieviel Zeit Sie täglich vor dem Fernseher, vor dem Computer oder mit Ihrem Smartphone verbringen, möglicherweise sogar in Anwesenheit oder vor den Augen Ihres Kindes. Fühlen Sie sich ertappt? Dann schrauben Sie den Konsum besser zurück. Seien Sie Vorbild! Kinder lernen von ihren Vorbildern und ahmen diese nach.

>> zum Blogartikel: Was gegen die Verwendung von Babyzeichen-Apps spricht!