ACHTUNG! Dieser Beitrag enthält ordentlich Zündstoff bezüglich dem Umgang mit Babyzeichen-Apps!

Vorab sollte folgendes gesagt sein: Es kann sein, das du dich persönlich angesprochen fühlst und dich diese Thematik sehr berührt. Außerdem kann es passieren, dass du Wut über meinen Beitrag empfindest. Vielleicht fühlst du dich auch darin bestätigt.Wie dem auch sei, ich möchte keinem auf die Füße treten.

Es geht mir lediglich darum, Eltern und Pädagogen anzusprechen und aufzuklären und auch darum, dich zu ermutigen, dich kritisch mit dem Umgang von Smartphones und Apps auseinanderzusetzen und gegebenenfalls dieses Verhalten zu überdenken.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, bin ich strikt gegen die Verwendung von Babyzeichen-Apps. Ich bin sogar dagegen, Babys, Kleinkindern und auch älteren Kindern bis 10 Jahre, Smartphones in die Hand zu geben oder das Smartphone als Erwachsener ständig zu zücken. Ganz gleich, aus welchem Grund! Das ich mit meiner Meinung nicht nur auf Zuspruch stoße, kann man sich sicher denken. Ich stoße mit meiner Meinung oft auf Widerstand, den ich aber gut aushalten kann. Der Gegenwind kommt meist von Eltern, aber auch von Pädagogen, die selbst das eigene Smartphone alle 10-20 Minuten zücken, um auf keinen Fall, z.B. eine Whatsapp-Nachricht zu verpassen.

Folgende, oder ähnliche Aussagen bekomme ich für meine offen gelebte Antipathie gegen Smartphones zu hören:

– “Stell dich doch nicht so an, so ein paar Minuten schaden doch niemandem.”
– “Was spricht denn dagegen?”
– “Mein Kind liebt dieses Spielzeug, da möchte ich dieses meinem Kind nicht vorenthalten!”
– “Man kann den Umgang mit einem Smartphone nicht verbieten! Irgendwann wird man sich damit beschäftigen müssen.”
– “Es kann sich damit so gut alleine beschäftigen.”
– “Wenn es so schlecht für mein Kind wäre, dann hätte es doch nicht so viel Spaß damit.”

Es gibt auch Eltern, die immerhin unbewusst wahrnehmen, dass Smartphones nicht in Kinderhände gehören. Trotzdem gibt es auch hier genügend Ausreden, um die Thematik von sich zu weisen.

Mit folgenden Sprüchen / Ausreden rechtfertigen sich die Eltern:

– “Ja, ich weiß, dass das nicht so gut ist. Aber ich brauche manchmal mal kurz eine Pause.”
– “Was soll ich denn sonst machen, wenn wir beim Arzt stundenlang warten müssen?”
– “Es ist damit so einfach Gebärden zu lernen.”
– “Dann habe ich alle Gebärden direkt zur Hand und kann meinem Kind die dann in der passenden Situation zeigen.”
– “Ich gucke nur kurz rein und mache ja dann auch gleich wieder aus.”
– “Die App ist ja nur für mich. Mein Kind darf es nicht benutzen.”

Warum bin ich eigentlich dagegen und warum werden wir als Gebärdenwerkstatt keine Babyzeichen-App herausgeben?

Bitte nimm dir, gegebenenfalls auch mit deinem Partner die Zeit um diesen Artikel„Tablets, Smartphones & Co. – Fluch oder Segen?“ und meine folgenden Antworten zu den oben stehenden, in Ruhe durchzulesen. Bitte nimm dir, beziehungsweise nehmt euch anschließend die Zeit, in euch zu gehen und alles zu reflektieren. Macht euch in Ruhe darüber Gedanken, wie ihr in Zukunft damit umgehen möchtet.

Letztendlich musst du dir selbst eine eigene Meinung darüber bilden. Spätestens, wenn unsere Kinder im Teenager-Alter süchtig nach dem Smartphone sind, oder sie uns später Fragen stellen wie “Warum darf ich kein Smartphone haben?” oder “Was ist an der ständigen Nutzung eines Smartphones so schlimm, alle nutzen es?”, solltest Du Dir im Klaren sein wie du zum Umgang von Kindern mit Smartphones stehst. Kinder werden früh von den Eltern und deren Handlungsweisen geprägt. Wenn also schon früh das Smartphone eines der wichtigsten Gegenstände in der Familie war, wächst das Kind damit auf und hält dies ebenso für selbstverständlich.

Ich selbst beantworte Eltern die oben aufgeführte Fragen / Statements, wie folgt:

– “Egal was Studien über den Umgang mit Smartphones bestätigen oder nicht, ich habe ein ungutes Bauchgefühl, wenn ich meinem Kind das Smartphone gebe. Ich bin mir ziemlich sicher, das es nicht gut für die Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung ist,  wenn Eltern ständig auf ihr Handy schauen, anstatt sich anzusehen was das Kind ihnen in der realen Welt mitzuteilen hat.”

– “Ja ich weiß, dass ich meinem Kind den Umgang mit einem Smartphone nicht grundsätzlich verbieten kann. Allerdings kann ich als Mutter entscheiden, ab welchem Alter, mein Kind das Smartphone länger nutzen kann. Das ist sicher ein Alter, in dem mein Kind diese virtuelle Welt, besser begreifen kann, sprich frühestens mit 14 Jahren.”

– “Ich bin Mutter von drei Kindern und zwar, sehr lebhaften Jungs. Manchmal wünschte ich mir tatsächlich, ich könnte es mit mir vereinbaren, meinen Kindern das Smartphone in die Hand zu drücken, weil es wirklich wahr ist, dass Kinder sich mit diesem kleinen “Bildschirm” wunderbar alleine beschäftigen können. Doch beim genaueren Sinnieren über diese Vorstellung, stelle ich fest, dass mein tatsächlicher Wunsch ist, dass sich meine Kinder alleine und mit sich selbst und der Realität beschäftigen können sollen und eine Basis an echter, realer Kommunikation erleben sollen. Die virtuelle Welt birgt nicht nur Gutes!

– “Mit absoluter Sicherheit haben Kinder großen Spaß mit Smartphones, Spiele-Apps, Babyzeichen-Apps und vielem mehr, was dieses kleine Gerät noch zu bieten hat. Kinder lieben bekanntermaßen auch Süßigkeiten. Doch leider ist nicht alles was von Kindern als toll empfunden wird auch gesund oder sinnoll, geschweige denn pädagogisch wertvoll.”

– “Natürlich denke auch ich mir oft, was ich um eine Pause geben würde. Mit drei kleinen Kindern ist der Alltag sehr oft der totale Wahnsinn. Ich könnte meine Kinder vorm “Bildschirm” abstellen, um kurz die Wäsche in die Waschmaschine zu stecken, den Boden kurz zu fegen, in Ruhe durch den Supermarkt zu wandern, oder mal schnell in Ruhe duschen zu gehen. Es gibt viele Gründe um seine Kinder “mal eben kurz zu parken”. Das Problem, das mir oft die Zeit fehlt und auch Pausen, die ich bräuchte, möchte ich dennoch nicht auf dem Rücken meiner Kinder austragen. Daher muss ich mir etwas anderes überlegen, um Zeit und Pausen zu schaffen. Übrigens: Mit drei, zwei oder auch nur einem Kind tagsüber alleine zu sein, oder in einer Kleinfamilie aufzuwachsen, ist niemals sonderlich einfach. Es gibt viele andere Mittel und Wege, wie du deinen Alltag effektiver und besser gestalten kannst. Der Fakt “Klein- oder sogar Alleinfamilie” ist zudem nicht argerecht. Um die eigene oft gefühlte “Überforderung” nachvollziehen zu können und daraufhin weitere Hilfen oder Ansätze für Alternativen im Alltag zu finden, empfehle ich dir die Bücher von Herbert Renz-Poster oder die Webseite von Artgerecht anzusehen.”

– “Arztbesuche gab es bei mir die letzten Jahren einige. Es sind bestimmt über 50 gewesen. Doch stell dir vor, ich habe sie alle ohne Smartphone überlebt! Meine Kinder glücklicherweise, auch. Im Wartezimmer gab es Bücher, Holzklötze und viele weitere Spielsachen für Kinder jeder Altersgruppen. Selbst wenn es nur die Klatsch-Zeitschriften sind. Man bekommt die Zeit tatsächlich auch ohne das leidige Smartphone herum. Mit Smartphone ist es nur einfacher und bequemer. Sonst nichts!”

-“Ja, Gebärden mit dem Smartphone zu lernen ist so einfach. Das glaube ich auch sofort, mit Sicherheit. Aber die Babyzeichen-Sprache ist dafür da, um die Kommunikation zu verbessern und die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Ein Blick auf dein Smartphone lenkt von der Kommunikation mit deinem Kind komplett ab. Dafür brauche ich keine Studien. Das sollte für jeden nachzuvollziehen sein. Glaube mir, es geht auch ohne. Wirklich! :-) Am Ende des Tages, wenn du dein Kind ins Bett gebracht hast, hast du sicher noch genügend Zeit, einen Blick auf das Smartphone zu werfen, ein Spiel zu spielen, oder Nachrichten zu schreiben.”

-“Selbst wenn Du alle Gebärden direkt zur Hand hast und sie deinem Kind in der passenden Situation zeigen kannst, Fakt ist: Es lenkt Dich erstmal ab. Die Zeit, in der man abgelenkt ist, beträgt mit Sicherheit mindestens zwei bis drei Minuten. In dieser Zeit hätte dein Sprössling allerdings deine volle Aufmerksamkeit benötigt. Alles was danach kommt, ist für das Kind nur noch unerheblich. Dein Kind benötigt genau in dieser Sekunde deine Präsenz und Aufmerksamkeit.”

-“Du bist ein Babyzeichen-Fan und willst nur mal kurz nachsehen, wie die Gebärde für “…” aussieht? Ich gebe zu, auch ich bin ein Fan davon. Wenn ich jeden interessanten Begriff nachschauen würde, würde ich wahrscheinlich ständig am Tag danach suchen. Du auch? Dann ist es leider nicht “nur mal gerade eben”, sondern wahrscheinlich eher “hier und da” und jetzt nochmal schnell,” oder “nur mal ganz kurz nachschauen”. Kleiner Tipp: Halte stets einen Stift und einen kleinen Zettel (keine Notiz auf dem Smartphone) parat und schreibe dir alle Gebärden auf, die dir interessant erscheinen. Das geht deutlich schneller und lenkt Dich weniger vom Alltag ab das direkte Anschauen in der App. Sieh dir die Gebärden in einer abendlichen “Lerneinheit”, ohne dein Kind an.”

-“Sollte die App nur für dich sein, ist das sehr löblich. Bitte bedenke, wenn du dich ständig vor deinem Kind damit beschäftigst, sieht das dein Kind und hält es für selbstverständlich, dass die Mama (oder Papa) ständig am Smartphone zugange ist. Als Vorbild, ist das überhaupt nicht positiv für die Entwicklung deines Kindes. Bitte reduziere den Smartphone-Konsum, wie oben bereits erwähnt und nutze die App ausschließlich für eine Lerneinheit am Abend.”

Bitte lies auch den folgenden Blogartikel “Tablets, Smartphones & Co. – Fluch oder Segen?”